|

Der BMW 801 war der erste deutsche
Doppelsternmotor.
Nach der Übernahme der BRAMO (Brandenburgischen Motorenwerke) durch BMW 1938,
wurde der neue BMW 801 Motor aus den laufenden Motorenentwicklungen, dem BMW 139
und dem Bramo 329, der beiden Werke heraus konzipiert.
Es wurde beschlossen, alle neuen Entwicklungen ab sofort mit dem Nummernkreis
800 zu versehen. Die Nummer 800 bekam ein 9 Zylinder Sternmotor und der
Schwerpunkt der zukünftigen Motorenentwicklung, ein 14 Zylinder
Doppelsternmotor bekam die Nummer 801.
Die Konstruktion des Motors erfolgte ab 1938 unter der Leitung von Dipl.-Ing.
Duckstein. Der erste Versuchsmotor lief ab April 1939 auf dem Prüfstand.
Bereits im Dezember 1939 erfolgte dann die Freigabe für die Serienfertigung,
obwohl der Motor noch nicht vollständig durchkonstruiert war. Ab Mitte 1940
wurden die ersten Serienmotoren für die Flugzeugindustrie geliefert.
Die Bezeichnung der BMW 801 Baumuster reicht fast durch das gesamte Alphabet.
Von der 22 Baumustern wurden 11 mit unterschiedlicher Dauer produziert, 4
Versionen erreichten nur das Versuchsstadium, und 7 existierten nur als Projekt.
Bis Kriegsende wurden über 21000 BMW 801 der verschiedensten Versionen
produziert. Bei der Weiterentwicklung und der Produktion späterer Versionen kam
noch zeitverzögernd hinzu, dass das RLM ab 1942 die Lieferung von kompletten
Motoranlagen und Triebwerken forderte. Eine Motoranlage besteht aus dem Motor
mit allen Geräten, der Druckbelüftung mit Leitblechen, dem Lüfter, allen
Dichtungen und die aerodynamische Verkleidung des Motors mit allem Zubehör bis
zur Anschlussebene. Bei dem Triebwerk kam dann noch das Einbaugerüst und die
Abgasanlage dazu.
Motoranlagen wurden ab Mai 1942 geliefert und Triebwerksanlagen ab Mitte 1944.
Kommen wir nun zu dem Aufbau des Motors und seinen technischen Eigenschaften,
sowie Besonderheiten.
Eine der auffallendsten Neuerungen war die Zwangsbelüftung des Motors, durch
das vorn angebrachte Lüfterrad, welches auch im Steigflug und bei extremen
Flugmanövern die Kühlung sicherstellte. Dieses Lüfterrad erzeugte im
Motorgehäuse einen Überdruck und aus dem Gehäuse wurde dann auch die Ladeluft
für den Motor, sowie die Luft zur Ölkühlung entnommen. Über einen
verstellbaren Drosselring gelangte die Kühlluft wieder ins Freie. Die vorn in
der Haubennase angebrachten Ölkühler wurden durch Luft gekühlt, welche
innerhalb der Motorverkleidung am Rand gegen die Flugrichtung nach vorn strömte
und durch einen regelbaren Nasenspaltring wieder austrat. Mit Hilfe dieser
beiden regelbaren Ringe konnte die Öl- und Zylindertemperatur geregelt werden.
Damit der Betrieb des Motors auch bei sehr niedrigen Temperaturen sichergestellt
war, befanden sich im Ansaugkanal federbelastete Warmluftklappen, die sich bei
einer Vereisung des Siebgitters öffneten.
Eine weitere Besonderheit war das Kommandogerät. Zur Begründung für die
Notwendigkeit dieses Gerätes wurde von dessen geistigen Vater einmal die Frage
gestellt: "Was macht ein Pilot, wenn er alle Funktionen einzeln verstellt,
dazu bei einer mehrmotorigen Maschine, falls er plötzlich gezwungen wird, einen
anderen Betriebszustand einzustellen. Die Antwort kann nur sein: einen
Fehler!" Mit dem Kommandogerät wurden folgende Funktionen gleichzeitig mit
einem einzigen Hebel gesteuert: Ladedruckregelung mit Drehzahlsteuerung,
Gemischtregelung, Zündzeitpunkt, Schaltung des Laders, Sturzflugauslösung,
Brennstoffregelung, Anlasshilfe und Luftschraubenverstellung.
Der BMW 801 A, B, C hatte 156 mm Hub und 156 mm Bohrung, eine Verdichtung von
6,5 und eine Laderübersetzung von 5,07 für Bodenbetrieb und 7,47 für
Höhenbetrieb. (als vielfaches der Kurbelwellendrehzahl) Die
Luftschraubenuntersetzung lag bei 0,54. Der Motor hatte bei verschiedenen
Leistungen folgenden Kraftstoffverbrauch in Liter pro Stunde.
Leistungswahl
Verbrauch in 0,5 km
Verbrauch in 4km
Steigleistung
515-550
580-630
Höchst-Dauerleistung
380-400
415-435
Höchst-Sparleistung
270-280
290-305
Durch eine Optimierung der Fertigung wurden die Preise für die Motoren immer
weiter gesenkt. Der Preis einer BMW 801 Motoranlage lag 1940 bei 80700 RM und
Ende 1942 nur noch bei 45000 RM. Davon entfielen 35600 RM auf den Motor und der
Rest auf das Kommandogerät (3000 RM) und die Verkleidung des Motors (6400 RM).
Die Anzahl der Fertigungsstunden betrug Ende 1942 etwa 16000 Stunden pro
Motor.

Kommen wir zu den Baureihen.
Der 801 A hatte 41,8 l Hubraum und 1175 kW (1600 PS), bei einer Verdichtung von
6,5 und der Verwendung von 87 Oktan Benzin. Er war mit rechtslaufendem
Propeller. Da nach vorgaben des RLM die 801 Motoren für Kampfflugzeuge wie die
Do 217 und die BV 141 vorgesehen war, wurde für mehrmotorige Maschinen auch ein
Motor mit linkslaufendem Propeller benötigt. Aus dieser Vorgabe entstand der
801 B, der bis auf das Umkehrgetriebe mit der A Variante identisch war.
Die Weiterentwicklung war der 801 C als Jägermotor. Er wurde mit einer
hydraulischen Luftschraubenregelung, Sturzflughebel für die Sturzflugbremsung
und handbetätigter elektrische Segelstellung versehen. Außerdem erhielt der C
spezielle Kopfleitbleche und Druckbelüftung für festeingebaute Waffen. Der 801 C wog im Rohzustand 934 kg und als komplette Motoranlage 1055 kg. Die
gesamte Länge der Motoranlage betrug 2006 mm bis Ende Wellenzapfen. (ohne
Propellerhaube) Beim C-0 wurde noch Kühlgebläse mit 10 Schaufelblättern
verwendet, während ab dem C-1 das Kühlgebläse 12 Schaufelblätter besaß.
Der 801 D und G wurden als leistungsgesteigerte Version entwickelt. Die
Leistungssteigerung erfolgte durch eine geänderte Laderübersetzung und eine
höhere Verdichtung in Verbindung mit 95 Oktan Kraftstoff. Die erreichte
Leistung lag bei 1270 kW (1730 PS) bei 2700 Umdrehungen pro Minute. Der
Ladedruck stieg auf 1,39 bar abs. (abs.= absolut), gegenüber den 1,27 bar abs.
bei dem A, und die Volldruckhöhe lag bei 5700 m. Der G entsprach dem D, war
jedoch für Kampfflugzeuge vorgesehen (andere Leitbleche usw. s.o.) und gehörte
zur tropenfesten Triebwerkanlage TU mit Flammenvernichtern.
Der 801 L wurde aus dem A entwickelt und besaß eine vollhydraulische
Drehzahlsteuerung. Der A und der L wurden beide als Motoranlagen MA und ML für
Kampfflugzeuge und später auch als tropenfeste Triebwerksanlage TL hergestellt.
Die H Version wurde als linkslaufende Variante des L entwickelt und sollte als
TH gebaut werden. Er hatte zusätzliche Vorder- und Mittelpanzerung und einen
BMW Rippenrohr-Ölkühler. Es war geplant ihn in die FW 190 einzubauen, aber es
kam nicht mehr zur Fertigung. Für kurzfristige Leistungssteigerung war er mit
einer, über das Kommandogerät gesteuerten, Zusatzeinspritzung versehen.
Der 801 U und W gehörte zur gleichen Leistungsklasse wie der D. Der U wurde ab
1944 als TU in die Serienfertigung der FW 190 übernommen.
Um die Höhenleistung der Motoren zu steigern, gab es 2 Möglichkeiten. Die
erste wäre die Leistungssteigerung der Motoren allgemein für niedrige und
mittlere Höhen, oder als 2. Variante die Entwicklung eines reinen Höhenmotors.
Als erster dieser Kandidaten entstand der 801 E aus dem D mit 1470 kW (2000 PS)
bei gleichem Hubraum. Die wurde durch eine aerodynamische Verfeinerung des
Laders, eine Drehzahlsteigerung und einem erhöhten Ladedruck (1,62 bar abs. bis
zu 5 min lang) bei Startleistung erreicht. Der Motor konnte bis 5650 m Höhe
eine Leistung von 1710 PS halten und seine Volldruckhöhe lag zwischen 7000 und
8000 m. Er wurde 1942 zur Serienfertigung freigegeben, aber kam Aufgrund der
Kriegssituation nicht mehr in Fertigung. Zur Überbrückung des Zeitraumes bis
zum Fertigungsbeginn des E wurde der 801 S produziert. Er war technisch gesehen
eine Mischung aus dem D und dem E und brachte eine Startleistung von 2000 PS.
Als Triebwerksanlage TS durfte er ab 1945 auch mit einer Notleistung von 2200 PS
betrieben werden. Die Leistungsdaten entsprachen fast alle dem E Motor und die
Triebwerksanlage war die vom TU. Bedingt durch den Kriegsverlauf war die
TS die letzte in Serie hergestellte Triebwerksanlage und wurde auch in der FW
190 verwendet.
Die letzte Stufe der Leistungssteigerung war der BMW 801 F. Er wurde aus dem E
abgeleitet und erhielt weitere Verbesserungen, wie eine Verstärkung der
Kurbelwelle, vergrößerte Ein- und Auslassventile, größerer Ventilhub,
geänderte Steuerzeiten, vergrößerte Einspritzpumpe und verbesserte Innen- und
Außenaerodynamik. Es war sogar noch die Möglichkeit zur Anbringung eines
Abgasturboladers vorhanden. Als Startleistung erreichte er 2400 PS und als
Kampfleistung 2200 PS. Die Volldruckhöhe lag zwischen 7000 und 8000 m. Gegen
Ende der Entwicklung konnte die Leistung dieses Motors sogar noch auf 2600 PS
gesteigert werden. Er sollte als Triebwerksanlage TF in die Ta 152 eingebaut
werden.
Die Entwicklung eines Höhenmotors ging auch mit der Entwicklung eines
Zusatzladers bis zu 12000 m Höhe einher. Diese Lader sollte zweckmäßiger
weise durch eine Abgasturbine angetrieben werden. Der Grundmotor hierfür war
der 801 D und wurde zur Baureihe J. Der Motor leistete am Boden 1810 PS
und in 11500 m Höhe eine Maximalleistung von 1485 PS. Der 801 J war nur als
Studienobjekt für Höhenmotoren geplant. 1943/44 entstanden weitere
Höhenmotorprojekte auf Basis des E und zwar der 801 N und M, beziehungsweise
der 801 Q auf der Basis des J da er einen Turbolader besaß.
Alle diese Projekte wurden aufgegeben und es wurde ein neues Projekt begonnen,
der 801 Ds auf der Basis des 801 D mit voller Arktis- und Truppentauglichkeit.
Der letzte Versuch einen Höhenmotor mit Volldruckhöhe von 11000 m zu
konstruieren sollte zu einen neuen Baumuster führen, dem BMW 805. Da für
diesen Motor keine Fertigungsmöglichkeiten bestanden wurde aus verschiedensten
Teilen anderer Serien der 801 R zusammengesetzt. Dieser Motor hatte einen 2
Stufen 4 Gang Lader, ein verstellbares Lüfterrad so wie ein vollautomatische
Kühlluftregelung. Des weiteren eine MW-50 Einspritzung für unterhalb und eine
GM-1 Einspritzung für oberhalb der Volldruckhöhe. Der Motor war für 1400 PS
in 11000 m Höhe ausgelegt. Auch dieser Motor war Werkstattreif und wurde 1944
zu den Akten gelegt, da der Bedarf in dieser Leistungsklasse durch den Jumo 213
und den DB 603 abgedeckt wurde.
Als gegen Ende des Krieges doch noch ein Höhenmotor gebraucht wurde, griff man
auf das am weitesten fortgeschrittene Projekt zurück, den 801 J und baute ihn
als Triebwerksanlage TJ von Beginn des Jahres 1944 an in Serie. Er wurde zum
Beispiel in die Ju 388 eingebaut.
Der 801 Heimstoffmotor wurde konzipiert, als ein längerer Kriegsverlauf
abzusehen war. Es wurde der Versuch gestartet schwer zu beschaffende
Legierungsbestandteile durch einheimische zu ersetzen. Man kam zu dem Ergebnis,
das 687 Bauteile auf einheimische Legierungen umgestellt werden können. Dazu
gehört die Umstellung von molybdänhaltigem Stahl auf molybdänfreien Stahl,
sowie über den gesamten Motor verteilt eine Einsparung von 80 kg Kupfer,
20 kg Nickel, 3 kg Zinn und 0,5 kg Cadmium. Das Ergebnis lag im Jahr 1941 vor.
Obwohl der Motor nie gebaut wurde, begann man ab 1942 in der Weiterentwicklung
der 801 Reihe die Umstellung von Aluminiumbauteilen auf Stahlbauteile wegen der
Verfügbarkeit im Krieg in die Serienfertigung einzuführen.
|